FacebookTwitterGoogle BookmarksLinkedinRSS FeedPinterest

Imkern im angepassten, einräumigen Brutraum

Imkern im angepassten, einräumigen Brutraum: ein Blick in die Historie

Über die Struktur und Bedeutung des Brutraumes, seiner Größe und seines Wärmehaushaltes haben bereits die Großmeister der Bienenzucht Ferdinand Gerstung, Prof. Ludwig Armbruster und Karl Kehrle („Bruder Adam“) wegweisende Aussagen getätigt. Gerstung, der als Erster vom Bienenvolk als einer Ganzheit sprach und diese Gesamtheit des Bienenvolkes  „Der Bien“ nannte, hatte bereits die Ordnung im Brutnest und die Bedeutung des einräumigen Brutraumes erkannt und Ende des 19. Jahrhunderts mit seiner Gerstungbeute Maßstäbe für eine optimierte Bienenhaltung gesetzt. Seine Aussagen über die Struktur des Bruttnestes sind jedoch seinerzeit auf großen Widerspruch gestoßen: „Besteht denn bezüglich der einzelnen Brutzellen und darum auch des ganzen Brutnestes irgendeine Ordnung, oder ist dieses höchst eigenartige Gebilde ein regelloses, gesetzloses Wesen, dessen besondere Beschaffenheit nur als eine Wirkung des blinden Zufalls erscheinen kann? Die Ansichten gehen hierüber heute noch weit auseinander, ja die Verschiedenheit der Auffassung des Brutnestes ist der Ausgangspunkt geworden zwischen der Trennung der Imker in zwei feindliche Lager, in die sogenannten Alt- und Jungimker, erstere die Anhänger Dzierzons, welche im Brutneste keinerlei naturgesetzliche Ordnung, sondern nur freie Willkür bzw. das Spiel des blinden Zufalls anerkennen, letztere die Anhänger der von uns erstmalig vertretenen sogenannten organischen Auffassung des Biens, nach welcher, wie alles im Bien, so auch das Brutnest als ein Produkt streng geordneter Lebensgesetze des Biens erscheint“(Gerstung: Der Bien und seine Zucht, 4. Auflage Berlin 1910, Seite 139f).

Einen Widerspruch ähnlicher Art haben  Jahrzehnte später die Arbeiten von Bruder Adam ausgelöst, der mit seinem ersten Vortrag in Deutschland am 29.02.1953 in Hannover sein Wissen erstmals einer deutschen Fachöffentlichkeit präsentierte. Die Leistungen Bruder Adams waren vielfältig. Die durch seine jahrzehntelange Zuchtarbeit entstandene „Buckfastbiene“  ist neben der Modifikation der US Dadant-Beute das wichtigste Erbe, das er der Welt geschenkt hat. Seine Zuchtarbeit geht auf die wissenschaftliche Arbeit von Prof. Ludwig Armbruster zurück. Bruder Adam sah die Theorie der „Reinzucht“ in der Bienenhaltung bereits Anfang des 20. Jahrhunderts als gescheitert an und hat durch Kreuzungs- und Kombinationszucht eine erbfeste Biene gezüchtet, die heute nicht nur weltweit vor allem von Berufsimkern weitergezüchtet wird, sondern die an Sanftmut, Fleiß und Gesundheit den anderen gebräuchlichen Bienenrassen weit überlegen ist.  Interessanterweise sind die Leistungen Adams bis heute nur einer Minderheit der deutschen Imker bekannt. Leider wird zu allem Unheil  in mancherlei Publikationen das Arbeiten in der Dadantbeute fehlerhaft dargestelt. Auch werden immer wieder höchst unkundige, ja irrige Ansichten über die Buckfastbiene verbreitet. Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, das Wissen über die Bedeutung des Wärmehaushaltes im einräumigen Brutraum den interessierten Imkern zur Verfügung zu stellen.Hans Beer erläutert, das Auswintern von einräumig geführten Völkern

Gegenwärtig verdanken wir Imkermeister Hans Beer vertiefende Erkenntnisse über das Verhalten des Biens in einem seiner Größe seines Entwicklungszustandes im Jahreslauf angepassten Brutraums. Beer, der mit Adam persönlich bekannt war und von ihm inspiriert wurde, übernahm die Dadantbeute  und erhielt von Adam Buckfast Zuchtmütter, die als Ausgangspunkt für seine heutige Zuchtarbeit gelten. Er forscht seit drei Jahrzehnten über die Anforderungen des Bienenvolkes an eine optimale Beute und die optimale Gestaltung des Brutnestes für ein gesundes, leistungsfähiges Bienenvolk. Beer, der in seinem langen Berufsleben als Rinderbesamer einen professionellen Blick auf Leistungszucht, Gesundheit, Hygiene und Robustheit von Rindern entwickelt hatte, konnte bei seinen züchterischen Aktivitäten zur Weiterentwicklung der Buckfastbiene stets auf diese Erfahrungen zurückgreifen. Seine Leistungen im züchterischen Bereich setzen Maßstäbe. Während das Wissen um die Buckfastbiene und das Arbeiten in der Dadant Beute jahrzehntelang trotz der Gründung des Buckfastverbandes, dessen erstem Vorstand er als stellvertretender Vorsitzender angehörte, nur einem kleinen Kreis von Imkern bekannt war, leistet nun Hans Beer erneut mit seinen Lehrtätigkeiten einen wichtigen Beitrag, das die Bedeutung des einräumigen, angepassten Brutraumes und der Buckfastbiene den interessierten imkern selbstlos zu vermitteln.

 

Die Erfolge eines Imkerns im einräumigen, angepassten Brutraum sprechen für sich. Der angepasste Brutraum kann im Prinzip mit jedem Maß praktiziert werden. In unserem Betrieb werden Völker im Zander und Dadantmaß geführt. In der Praxis bewährt sich jedoch aus vielfältigen Gründen in optimaler Weise jedoch nur der quadratische, zwölfrahmige Dadantkasten. Durch eine Reduktion der Zahl der Brutwaben auf die tatsächlich benötigte Fläche wird die schwarmauslösende, wärmeabsorbierende Menge des eingelagerten Pollens vermindert, die Regelung des Temperaturhaushaltes im Brutraum erleichtert, die Arbeitszeit vor allem während der Schwarmzeit verringert und der Honigertrag gesteigert. Wir halten den Angepassten Brutraum heute für die wichtigste Maßnahme zur Verbesserung der Bienengesundheit und damit zur Ökologisierung der Bienenhaltung.

Hier gehts zur Imkerschule

 

Unser Kooperationspartner:

GLS Bank Logo

HonigManufaktur Binder | Lise-Meitner-Straße 4 | 74523 Schwäbisch Hall | binder@honigmanufaktur.com | +49 (170) 1 85 74 24